Trend: Nachhaltige Geldanlage; Wünsche variieren, aktuelle Forsa-Umfrage

Pressemitteilung vom
Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld einen positiven Beitrag leisten: für das Klima, die Umwelt oder Soziales. Doch was wünschen sich die Verbraucher:innen dabei genau? Das wollte die Verbraucherzentrale Bremen wissen und startete eine repräsentative Forsa-Umfrage zu nachhaltigen Geldanlagen.
Nachhaltige Geldanlage; aktuelle Forsa-Umfrage
  • Aktuelle Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Bremen: Interesse an nachhaltigen Geldanlange seit 2013 gestiegen – besonders bei den Jüngeren
  • Stärkere Nennung von ökologischen Themen bei Ausschlusskriterien und Investitionen 
  • Forderung nach mehr Nachhaltigkeit bei Altersvorsorgeprodukten 
  • Beste Beratung bei Verbraucherzentrale erwartet
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Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld einen positiven, sprich nachhaltigen, Beitrag leisten: für das Klima, die Umwelt oder ethische beziehungsweise soziale Themen. „Der Klimawandel, die Corona-Pandemie und der Krieg gegen die Ukraine haben einen starken Einfluss auf diesen Trend“, erklärt Anke Behn, Expertin für nachhaltige Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Wie hat sich das Interesse, der Besitz und die Wünsche der Verbraucher:innen zu solchen Produkten seit November 2013 verändert? Die Verbraucherzentrale Bremen hat nachgefragt und die damals erstmalig durchgeführte Befragung mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa wiederholt. 

Das Ergebnis: die am meiste genutzte Geldanlage ist immer noch die festverzinsliche Sparanlage. 38 Prozent der Befragten besitzen sie – deutlich weniger als in 2013. „Gewinner im Vergleich zu diesen klassischen Anlageformen sind risikoreichere Geldanlagen wie Aktien oder Fonds und ETFs“, sagt Anke Behn. Sie legen im Anlageverhalten deutlich zu – vermutlich aufgrund der bisherigen Niedrigzinspolitik.

Trend geht zur nachhaltigen Geldanlage

Aktuell besitzt die Mehrheit der Befragten noch keine nachhaltige Geldanlage. Allerdings ist der Anteil derer, die ihr Geld nachhaltig anlegen, gegenüber 2013 deutlich von fünf auf 22 Prozent gestiegen. 
Die Hälfte derjenigen, die noch keine nachhaltige Geldanlage besitzen, äußert generelles Interesse an dieser Anlagemöglichkeit – ebenfalls eine deutliche Steigerung gegenüber 2013. Darunter sind die 18- bis 29-Jährigen am meisten interessiert. 

Ausschluss und gezielte Investition

Der Kern der Befragung ist, welche Branchen und Verhaltensweisen von Unternehmen für nachhaltige Geldanlagen ausgeschlossen oder aber gezielt ausgewählt werden sollten.
Sowohl in 2013 als auch in 2022 nannten die Befragten den Ausschluss von Waffen- und Rüstung, ausbeuterische Kinderarbeit sowie den Wunsch nach guten Arbeitsbedingungen an erster Stelle. 
Anke Behn sagt: „Interessant ist, dass es eine Verlagerung hin zu den ökologischen Themen gibt.“ Die gesellschaftlichen und sozialen Themen rücken in 2022 etwas in den Hintergrund. So wird bei den Erwartungen an gezielte Investitionen das Hauptthema aus 2013, die Armutsbekämpfung, bei der aktuellen Befragung von den Erneuerbaren Energien abgelöst. 

„Abzuwarten bleibt, wie sich das weiterentwickelt. Ob sich zum Beispiel der Krieg gegen die Ukraine und die dadurch ausgelöste Sicherheits- und Energiedebatte auf das Verständnis von Nachhaltigkeit und somit auf die Kriterien von nachhaltigen Geldanlagen weiter auswirkt,“ sagt Anke Behn. Die Befragung fand vom 24. Januar bis 4. Februar 2022 statt, also vor Ausbruch des Angriffskrieges. 

Mehr Nachhaltigkeit bei Altersvorsorgeprodukten gefordert

Auch bei Altersvorsorgeprodukten wünscht sich über die Hälfte der Finanzentscheider (58 Prozent), dass Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften bei der Beitragsanlage generell Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen sollten. 

„Die Verbraucherzentrale fordert seit Jahren die verbindliche Einhaltung bestimmter ethischer, sozialer und ökologischer Mindeststandards bei Finanzprodukten bei allen staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten“, erklärt Anke Behn. Der Gesetzgeber könnte durch Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien über für staatlich geförderte Finanzprodukte den Markt positiv beeinflussen.

Beratung zur Nachhaltigkeit

Aufgrund gesetzlicher Änderungen müssen in Wertpapierberatungsgesprächen ab August 2022 die Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern abfragt werden. Fast drei Viertel der Befragten finden das gut. „Abzuwarten bleibt, wie die Anbietenden mit dieser Verpflichtung im Alltag dann tatsächlich umgehen“, gibt Anke Behn zu bedenken. 

Die beste Beratung zu nachhaltiger Geldanlage erwarten die Befragten aktuell von den Verbraucherzentralen, gefolgt von ihrer Hausbank. Die Verbraucherzentrale Bremen hat die Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien seit vielen Jahren in ihre Beratungsgespräche zur Geldanlage und Altersvorsorge integriert. Sie bietet eine spezielle Beratung für alle an, die sich ganz genau damit beschäftigen möchten. 

Interessierte Verbraucher:innen finden erste Informationen dazu auf dem Internetportal der Verbraucherzentrale „Geld bewegt“. „Wer investieren möchte, kann sich darüber hinaus gerne persönlich bei uns beraten lassen“, empfiehlt Anke Behn.

Informationen zur Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte via forsa.omninet-Panel vom 24. Januar bis 4. Februar 2022 insgesamt 1002 Personen ab 18 Jahren, die in ihrem Haushalt über Finanzen entscheiden und aus einem nach Alter, Geschlecht und Region repräsentativen Panel gezogen und entsprechend dieser Merkmale sowie Bildung gewichtet wurden. 
 

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